4. - 12. Juli 2021 Jura-Route

 

Auch dieses Jahr bleiben wir in der Schweiz. Wir buchen, wie schon zuvor, bei Eurobike eine Tour im "Wilden Jura".

 

 

 

Sonntag 4. Juli 2021

Basel - Porrentruy

 

Thomas fährt uns zum Bahnhof nach Basel. DANKE THOMAS.

Wir sind schon vor 9 Uhr dort und müssen warten. Um 09:10 Uhr fahren wir los. Die Wetterprognose für die nächsten Tage ist ziemlich schlecht, jedoch können wir ohne Regen starten. Schon nach wenigen Kilometern steht unser Fan Thomas in Bottmingen am Strassenrand und feuert uns an.

Nach etwa 40 km  bewahrheitet sich leider die Wettervorhersage. Ein Gewitter zieht auf. In Kiffis suchen wir Schutz unter einem Vordach. Wir warten etwa 1/2 - 1 Stunde und fahren dann trotz Regen weiter durch die Hügellandschaft der Ajoie. Wir versuchen, trotz Regen zu geniessen.

Alle Cafés oder Restaurants sind zu. Nirgends können wir rein sitzen. So strampeln wir in voller Regenmontur weiter und erreichen Porrentruy tropfnass. Noch nie während unseren 9 Touren waren wir so nass. Entgegen der Information von Eurobike können wir das Zimmer nicht erst um 17:30 beziehen. Das Hotel de la Gare ist sehr schön, der Manager sehr freundlich und humorvoll, das Nachtessen super, nur das Frühstück etwas dürftig (Brot, Butter, Konfitüre). Zum Biken haben wir schon gerne noch ein Ei oder Omelett oder etwas Käse.

Nach dem Nachtessen spazieren wir durch Porrentruy.

 

Fahrzeit 05:16, 73 km, 13,9 km/h, 1'050 m rauf, 900 m runter, 09:10-16:30 = 7:20 unterwegs

 

 

 

 

Montag 5. Juli 2021

Porrentruy - Saignelégier

 

Premiere: Heute starten wir in der Regenmontur. Wir erreichen St. Ursanne ca. um 11 Uhr und machen eine längere Mittagspause im Hotel Demi-Lune. Danach können wir die Regenjacken und -hosen im Rucksack verstauen und es geht aufwärts und hört nicht mehr auf. Ab Montmelon kämpfen wir dafür gegen den Wind. Trotz schlechtem Wetter ist die mir völlig unbekannte Gegend Franches Montagnes = Freiberge traumhaft schön.

Als wir im Hotel Bellevue ankommen staunen wir. Ringsherum ein Baugerüst, der Eingang nicht begehbar 🥺. Ein Arbeiter erklärt uns, dass wir durch den Hintereingang müssen, als uns eine Frau entgegenkommt. Sie führt uns durch die Küche ins Lokal: Überall Baustelle. Wir müssen ein paar Meter zurück ins Hotel de la Gare. Passt. Vor allem hat es genug Kleiderbügel um die nassen Kleider aufzuhängen. Da wir dort nicht essen können, gehen wir ins Restaurant de la Poste. Essen sosolala.

 

Fahrzeit 04:46, 48,2 km, 9,8 km/h, 1'160 m rauf, 600 m runter, 08:35 - 16:20 unterwegs = 7:35

 

 

 

Dienstag 6. Juli 2021

Saignelégier - La Chaux-de-Fonds

 

Wir starten schon um 08:07 Uhr. Weil es kurz vor Les Breuleux zu regnen beginnt, beschliessen wir, die Tour abzubrechen und mit dem Zug nach La Chaux-de-Fonds zu fahren.Vielleicht besser so. Für meinen Rücken und weil ich unterwegs feststelle, dass die Vorderbremse nicht mehr funktioniert. Nachdem ich auf meiner Tour nach Kärnten letzten September massive Probleme mit meinem Hintern hatte, macht mir der keine Probleme. Vielleicht dank dem neuen Sattel und der speziellen Creme.

Weil die Freundin von Silvana, Regula und ihr Mann Bernhard, ab Les Breuleux mit uns über den Mont Soleil nach La Chaux-de-Fonds fahren wollten, rufen wir sie an. Sie sind noch zu Hause und wir treffen uns um 18:00 Uhr mit ihnen im Restaurant Citerama in La ChauxdeFonds.

 

Natürlich können wir das Zimmer im Hotel Athmos noch nicht beziehen. So setzen wir uns ins Bistro und ich rufe "meinen" Velohändler Roman an. Dieser sieht sogleich, dass meine Bremsscheiben sich verabschiedet haben: "Sehr komisch." So google ich nach einem Velohändler und fahre um 13 Uhr zum Pro Shop. Obwohl sie erst um 13:30 Uhr öffnen, kann ich schon rein und werde sofort und kompetent bedient. Auch der Mechaniker von Pro Shop findet es "très bizarre". Kosten: Fr. 60.--. Zurück im Hotel dusche ich und danach erkunden wir die Stadt. Wir beide finden, sie hat keinen Charme und wirkt etwas heruntergekommen. Allerdings lese ich später, dass 1794 ein verheerender Brand fast 3/4 des Dorfes zerstört hat.

Nachdem wir früh im Hotel sind schauen wir uns um 21:00 Uhr das EM-Spiel Italien - Spanien (4:2) an.

 

Fahrzeit 42 Minuten, dann mit Zug um 09:15 - 09:56 weiter

 

 

 

Mittwoch 7. Juli 2021

La Chaux-de-Fonds - Couvet

 

Heute benötigen wir doch tatsächlich nur den Windstopper. Wir sind begeistert von der Gegend des Neuenburger Jura, den mächtigen Steinhäusern, dem Val-de-Travers. Wir weichen von der vorgegebenen Route ab. Dadurch kommen wir an dem sehr eindrücklichen Haus vorbei, das das Restaurant la Petite-Joux beherbegt. Leider verzichten wir auf einen Halt in der Pinte de la Petite-Joux oberhalb Les Ponts-de-Martel weil wir mit Regen rechnen. Die Fahrt durch das schöne Val-de-Travers lässt uns schweben, auch weil wir einer schwarzen Wand entgegenfahren. Jedoch erreichen wir bereits um 12:30 Uhr das Hotel d'Aigle in Couvet. Von aussen 🙄, jedoch innen toll. Das Zimmer ist riesengross. Und ein junger Bursche trägt unsere Koffer ins Zimmer. Auch bekommen wir, obwohl die Küche geschlossen ist, noch eine Suppe. Danach schlendern wir durch den kleinen Ort und machen in der Boulangerie Patisserie Jämes Vaucher Sàrl einen Kaffee- und Kuchenhalt. Am Abend essen wir im Hotel. Es ist ausgezeichnet und natürlich probieren wir einen Absinthe sowie einen Gin Tonic mit Absinthe. Wir sind ja hier im Land der "Grünen Fee". Auch das Dessert, Crème brûlée à l'absinthe, ist ein Traum.

Um 21 Uhr schauen wir uns vom Bett aus das Spiel England - Dänemark (2:1) an.

Hier erhalten wir auch ein Biker-gerechtes Frühstück mit allem Drum und Dran.

 

Fahrzeit 02:30, 34,7 km, 13,9 km/h, 540 m rauf, 810 m runter, unterwegs 09:30 - 12:30 = 3 Stunden

 

 

 

 

Donnerstag 8. Juli 2021

Couvet - Ste-Croix

 

Heute endet die Tour im Hotel de France in der Industriegemeinde Ste-Croix, das, wie schon die Orte zuvor und auch die kommenden, auf über 1'000 m ü.M. liegt. Heute ist es ein Ferien- und Höhenkurort. Sainte-Croix ist Standort mehrerer Museen, aber leider sind diese zu. Gerne wären wir ins CIMA, in welchem Spieldosen und Musikautomaten gezeigt werden und zur Zeit eine Sonderausstellung über Photographie ist. So spazieren wir durch das ganze Dorf und flüchten vor dem einsetzenden Regen in eine Pizzeria. Wir fragen nach etwas Apéro-Knabbereien, aber es gibt nichts, die Küche ist noch zu. Als dann eine neue Serviertochter kommt, fragen wir diese und siehe da: Sie bemüht sich sehr und geht selber in die Küche um uns etwas Kleines aufzutischen.

Das Abendessen nehmen wir im Hotel ein. Es ist sehr gut. Zum Glück hat es einen Lift. Wir sind nämlich im 4. Stock.

 

Fahrzeit 02:17, 28 km, 12,3 km/h, 580 m rauf, 240 m runter, unterwegs 09:45 - 13:00 = 3 1/4 Stunden

 

 

 

 

Freitag 9. Juli 2021

Ste-Croix - Vallorbe

 

Der Himmel zeigt sich vielversprechend durch die Dachlucke. Wir können auch heute die Regenkleider im Rucksack lassen. Botanik ist angesagt. Ich kann es einfach nicht sein lassen, das Fotografieren. Allerdings schleppe ich - im Gegensatz zu früher - den Fotoapparat nicht mehr mit. Zum Glück hat auch Silvana ein Auge für die wunderbare Natur.

Kurz vor Vallorbe machen wir im Hotel Restaurant Croix d'Or in Ballaigues einen Essens-Halt. Fantastisch.

Als wir in der Auberge pour Tous in Vallorbe ankommen, ist natürlich zu. So machen wir den Rundgang heute stinkend und in den Bike-Klamotten. Zurück bei der Jugendherberge, weist uns der Chef auf einen Aushang hin, auf welchem seine Handy-Nummer steht. Diese hätte wir anrufen können und dann wäre er gekommen oder hätte uns den Code gegeben..... Zum ersten Mal auf dieser Tour ist unser Gepäck bereits im Zimmer. Das Zimmer ist wiederum sehr schön, mit einem grossen Bad. Nur das Bett ist etwas klein.

Wir beschliessen, zum Abendessen nochmals in das Croix d'Or zu fahren. Allerdings stellen wir fest, dass kein Bus zurück fährt. Der Chef der Auberge ist sehr hilfsbereit und bestellt uns ein Taxi (seine Frau fährt Taxi). Als wir mit Essen fertig sind, schreibe ich ihm eine kurze Nachricht und 10 Minuten später werden wir wieder abgeholt und zurück gebracht. Um 21:40 Uhr sind wir im Bett.

 

Fahrzeit 02:52, 34,3 km, 12 km/h, 640 m rauf, 930 m runter, unterwegs 09:15 - 13:45 = 4,5 Stunden

 

 

 

 

Samstag 10. Juli 2021

Vallorbe - Le Brassus

 

Wir sind heute so lange unterwegs weil wir zwei lange Stopps machen. Den ersten bereits in Le Pont am Lac de Joux, also nach nicht Mal 10 km. Wir sind hier mitten in der weltweit wohl wichtigsten Uhrenmacherindustrie auf 1'0004 m ü.M. im Waadtländer Jura. Weil der See in einem komplett abgeschlossenen Hochtal liegt, friert er auch heute noch in den meisten Wintern zu und gilt als kältester Ort in der Schweiz. Am 31.1.1888 wurde eine Temperatur von -41°C gemessen.

Kurz nach Le Pont weichen wir wieder von der Route ab und folgen der Mountainbike-Route. Wunderschön die Aussicht auf den Lac de Joux und den Lac Brenet. Dann geht es wieder runter in den Ort Lieu (fantasievoller Name für ein Dorf, denn Lieu = Ort). In Rocheray, am Ende des Sees, machen wir nochmals einen längeren Halt. Gut so. Das Gepäck ist eh noch nicht im Hotel la Lande in Le Brassus.

Als wir beim Abendessen sind, beginnt es erneut heftig zu regnen. Bei einem parkierten Auto ist ein Fenster offen. Der sehr aufmerksame Kellner hängt einen Abfallsack davor und erkundigt sich dann im Restaurant, wem das Auto gehört.

Auch heute sind wir relativ früh im Bett. Es gibt ja keine Möglichkeit in diesen kleinen Orten um noch irgendwo einen Absacker zu nehmen. Auch gut so.

 

Fahrzeit 02:41, 24,8 km, 9,2 km/h, 510 m rauf, 260 m runter, 09:00 - ca. 15 Uhr = 6 Stunden

 

 

 

Sonntag 11. Juli 2021

Le Brassus - Nyon

 

Da auch die letzte Etappe ziemlich kurz ist, nehmen wir es am Morgen gemütlich. Nochmals geht die Fahrt mitten durch eine fantastische Landschaft. Natur rund um uns herum. Ich bin begeistert von den zahlreichen langen Steinmauern, der Flora und Fauna (auch wenn es nur die Kühe sind) und einfach von der ganzen Route. Beim Runterfahren nach Nyon frieren wir ein bisschen. Aber kurz vor Nyon erwartet uns die Sonne. Wir fahren gleich am Hotel vorbei (und merken es nicht mal) zum Bahnhof. Dort geben wir die Bikes für den Heimtransport auf. Dann geht es zu Fuss zurück zur Jugendherberge Hostel Nyon (15 Minuten). Alles klappt wunderbar. Ich gebe den erhaltenen Code ein und der Zimmerschlüssel fällt raus. Das Zimmer ist auch dieses Mal schön und geräumig. Nachdem wir geduscht haben, machen wir uns auf den Weg zum Genfersee. Weil wir dem Wegweiser "Centre ville" folgen, der für die Autos gedacht ist, dauert es etwas länger. In der Brasserie Les Brasseurs essen wir zwei Flammenkuchen. Nach einem Drink in der Nähe vom See gehen wir zurück ins Les Brasseurs, wo wir für den Abend reserviert haben. Wir wollen uns dort das EM-Endspiel Italien - England (3:2) anschauen. Allerdings dauert das doch noch lange bis 21 Uhr, weshalb wir dann mitten im Spiel zurück ins Hotel gehen. Silvana schaut sich das Spiel fertig an, ich schlafe ein. Nicht weil es langweilig ist, sondern weil ich sehr müde bin.

Am nächsten Morgen nehmen wir den Bus zum Bahnhof und fahren dann mit dem Zug nach Hause.

 

Trotz Regen war es eine wunderschöne Tour. Silvana ist eine tolle Bike-Partnerin, wir hatten keinen Sturz, keine Magenverstimmungen oder andere Unpässlichkeiten, alles war perfekt, fast jedenfalls. Denn wir fahren natürlich schon lieber bei schönem Wetter....

 

Fahrzeit 02:24, 37,3 km, 15,5 km/h, 430 m rauf, 1'060 m runter

 

 

 

 

 

Das Leben wird nicht gemessen an der Zahl unserer Atemzüge,

sondern an den Orten, die uns den Atem rauben.

 

Aus der Traumzeit der Aborigines