Peru

 

 

Meine Eltern sind Ornithologen und machen seit Jahren nur noch entsprechende Reisen. Mama möchte gerne nach Peru, Papa möchte jedoch nicht mehr so weit fliegen. Seit ich von Machu Picchu gehört habe, vor Jahren, möchte ich dort hin. So schlage ich Mama vor, dass ich sie begleite denn bei dieser Reise ist auch ein Ausflug eben nach Machu Picchu vorgesehen. Bevor wir jedoch buchen, erkundigt sich Mama 2-3 Mal, ob wir denn da nicht dauernd auf Strassen fahren, wo es rechts oder links ins Nirgendwo geht. Meine Mutter ist ziemlich cool, aber davor hat sie Angst. Der Reiseleiter und Organisator, Werner Suter, versichert ihr, dass dem nicht so ist und wenn Mal, dann könne sie aussteigen und zu Fuss die jeweils kurzen Abschnitte gehen. Also haben wir gebucht.

 

Samstag 1. Oktober 2005

Thomas fährt uns zum Flughafen Kloten, wo wir um 05:20 Uhr ankommen, 10 Min. zu früh. Als um 05:40 Uhr noch niemand sonst aufgetaucht ist, geht Mama Werner Suter, den Reiseleiter, suchen. Sie findet ihn, bereits in der Abfertigungsreihe anstehend. Später erfahre ich von Hugo, dass er Werner darauf aufmerksam gemacht habe, dass doch noch Teilnehmer fehlen! Seine Antwort: "Die werden uns schon finden." Da die Abfertigung sehr lange - bis 06:45 Uhr - dauert, müssen wir im Laufschritt zum Gate. Meine Mutter ist mit 77 Jahren die älteste, aber bei weitem nicht die langsamste. Das fängt ja gut an!!!!

Wir fliegen via Amsterdam und Bonaire nach Lima. Dort wiederum sehr langes Anstehen für die Zollkontrolle. Danach müssen wir feststellen, dass Mamas Koffer nicht angekommen ist. Die restlichen Reiseteilnehmer sind schon verschwunden, inkl. Werner Suter. Ich melde das Verschwinden beim entsprechenden Schalter und bin froh über meine Spanischkenntnisse. Weil alles so lange dauert, taucht Werner endlich wieder auf um nach zu sehen, was los ist. Nach langem Hin und Her sind wir um 20:30 Uhr im Hotel Manhattan.

Teilnehmer: Werner Suter, Reiseleiter, Dr. Dr. Einhard Bezzel, Marianne Lenz, Günter, Görge, Dedda (Käthe), Ella, Marcel, Hugo, Max, Mama, ich und Renzo, der peruanische Reiseleiter.                  

 

Sonntag 2.10.05

03:30 Uhr Frühstück, 04:00 Uhr Abfahrt, 06:00-07:50 Uhr Flug nach Cusco. Hier treffen wir Renzo Zeppelli, unseren Führer von Manu Expediciones. Können nicht gleich nach Boca Manu weiterfliegen weil genau über dem Zielgebiet eine Regenwolke hängt. Da das kleine Flugzeug der Armee auf Sicht fliegen muss, heisst es Abwarten und schon mal die Vögel rund um den Flughafen beobachten.

Um 13 Uhr fahren wir in die Stadt ins Rest. Inca Wall, wo wir ein gutes Mittagessen erhalten. Die Regenwolke bleibt wo sie ist, also bleiben wir in Cusco und übernachten im Hotel José Antonio. Um

16 Uhr starten wir zu Fuss zu einer Stadtbesichtigung. Mama geht gleich wieder zurück ins Hotel weil es zu regnen beginnt. Um 18 Uhr verteilen wir uns auf 2 Taxis. Ich bin zusammen mit Dr. Dr. Einhard Bezzel und Marianne Lenz. Man sagt immer noch "Sie". Ich sage allen "Du", auch Dr. Dr. Bezzel. Mama hat gesagt, wenn sie gewusst hätte, dass der mitkommt, hätte sie die Reise nicht gebucht. Der sei sehr speziell, eingebildet und sage nicht "Du". Ich denke, das liege wohl bei Mama, denn sie getraut sich oft nicht, jemanden zu "duzen". Aber sie hat recht. Dr. Dr. Einhard Bezzel ist wie sie prophezeit hat. Nun, jetzt sitzen wir zusammen im Taxi. Unser Fahrer kennt das Hotel José Antonio nicht. Da ich Spanisch spreche, versuche ich, ihn dorthin zu dirigieren, aber da es dunkel ist und man nicht alle Strassen befahren darf, die wir zu Fuss gegangen sind, ist das gar nicht so einfach. Also schicke ich den Fahrer immer wieder rund um den Plaza de Armas. Ich empfehle ihm, per Funk seine Kollegen zu fragen. Aber er hat keinen Funk. Die Scheiben beschlagen, man sieht so gut wie nichts. Dann rate ich ihm, einen Kollegen direkt zu fragen. Bringt auch nichts. Ich schlage vor, zu Fuss zum Hotel zu gehen. Marianne lehnt ab: Sie gehe hier nicht zu Fuss im Dunkeln durch die Stadt. Nach vielem Hin und Her und Gelächter landen wir dann doch noch im Hotel. Preis = 5 Nuevo Soles (1-2 Franken), weil er so oft um den Plaza de Armas fahren musste. Dr. Dr. Bezzel und ich hatten es lustig und ab jetzt duzt er mich auch.

 

 

 

Montag 3.10.05 schön

Um 06:30 Uhr fahren wir wieder zum Flughafen. Es klappt und wir fliegen um 08:50 in der kleinen Propellermaschine los über die Anden. Um 09:40 Uhr landen wir auf einer Graspiste, mitten im Urwald, in Boca Manu. Hitze und haufenweise Schmetterlinge empfangen uns. Träger schleppen unser Gepäck in ein Boot. Nach einer kurzweiligen, zweistündigen Fahrt erreichen wir unsere bestens eingerichtete Lodge mitten im Urwald, absolut im Nirgendwo, wo wir bis am 9.10. bleiben.

 

Beim ersten Abendessen bemerkt Ella (1. Klass-Lehrerin / ich sage nicht wo), dass Renzo vegetarisch isst und fragt, ob sie das auch haben kann. So bestellt er für sie ebenfalls vegetarisches Menu für den Rest der Woche. 2. Abend: Ella betrachtet ihren Teller, schiebt diesen zu ihrem Partner Marcel und fragt ihn, ob sie das essen kann 🤔 Er sagt ja und sie probiert. Dann stösst sie den Teller weg und sagt: "Diesen Frass fresse ich nicht!" Und so was lässt man auf unsere Kinder los.

 

 

Der Manu NP ist mit 1,7 Mio. ha (halb so gross wie die Schweiz) der grösste seiner Art in Peru und einer der artenreichsten Parks der Welt. Er wurde 1973 gegründet und 1987 von der UNESCO zum Weltnaturerbegebiet erklärt. Er erstreckt sich von 200 bis 4000 müM und schliesst damit fast alle subtropischen Ökosysteme des peruanischen Ostens ein. Der grösste Teil besteht aus tropischem Regenwald. Der NP bildet die Kernzone des Biosphärenreservats und ist in verschiedene Zonen unterteilt. In der Kernzone haben nur die dort lebenden indigenen Ethnien sowie Wissenschaftler mit Ausnahmegenehmigung Zutritt.

Zu den Besonderheiten des Parks gehören der vom Aussterben bedrohte Riesenotter, der Moorenkaiman, der Jaguar sowie der rote Felsenhahn, der Nationalvogel Perus.

 

Dienstag 4.10.05 schön und heiss

Abfahrt 05:30 Uhr per Boot zum Altwasser Cocha Blanco. Nach 20 Min. kurze Wanderung, wo uns ein anderes, motorloses Boot erwartet. Wir sehen sogar einen Riesenotter. Aber die zwei Fotos sind verschwunden.

 

 

 

Am Nachmittag mit der Gruppe oder alleine auf Entdeckungstour rund um die Lodge, wo die Wege gut gekennzeichnet sind. Ich gehe alleine, treffe später auf dem Rückweg zur Lodge auf die Gruppe, schliesse mich ihr an. Weil ich jedoch irgendwann genug habe vom dauernden in die Baumwipfel Schauen, deute ich Mama, dass ich zur Lodge zurückkehre, was sie jedoch nicht bemerkt, wie sich später herausstellt. Weil die Gruppe, als ich auf sie traf, in die Richtung ging, aus der ich kam, gehe ich nun wieder diesen Weg weiter. Nach kurzer Zeit kehre ich jedoch um weil mir der Weg zu sehr verwachsen vorkommt. Die Gruppe ist schon weg. Also probiere ich den anderen Weg, der vom Hauptweg abzweigt, jedoch treffe ich unsere Leute auch da nicht. Inzwischen ist es ca. 17:15 Uhr und ich weiss, dass es innert Minuten dunkel sein wird, stockdunkel. Ich habe keine Taschenlampe dabei und zwar ein Handy, aber natürlich noch nicht mit Taschenlampe ausgerüstet. So setze ich mich auf den Boden, an eine Baum gelehnt, in der Hoffnung, Mama schlägt bei ihrer Rückkehr gleich Alarm, was sie auch tut. Drei zweier-Gruppen suchen mich. Gegen 19 Uhr höre ich Renzo rufen. Gott sei Dank war der Jaguar noch nicht unterwegs und auch keine Riesenschlange (die hängt ausgestopft in der Lodge). Ich schäme mich und möchte am liebsten nicht zum Nachtessen, gehe trotzdem. Als Einhard Bezzel hörte, wer im Urwald auf Rettung wartet, meinte er: "Nun, die kommt sicher nicht so schnell in Panik!" So war es. Aber etwas mulmig war mir schon bei dem Gedanken, bis es hell wird hier sitzen zu müssen. Denn bei Licht hätte ich ja den Rückweg gesehen. Etwas mehr als üblich kam ich auch ins Schwitzen.

 

Mittwoch 5.10.05 Gewitter

Mama geht mit auf eine Tour, ich in den Aufenthaltsraum, wo ich Saita treffe. Sie liegt in einer Hängematte und ich mache ein paar Fotos. Als ich sie ihr zeige, verlangt sie: "saca un foto mas, saca un foto mas...."

 

 

 

Donnerstag 6.10.05 Gewitter

Wollen zum Blanquillo Lick, wo sich früh am Morgen hunderte Aras und andere Papageien treffen. Jedoch wird der Ausflug auf morgen verschoben. Gegen 14 Uhr machen wir uns auf den Coolipa Trail zu einer Stelle, wo man Tapire sehen kann. 2 Stunden später sind wir dort. Wir richten uns auf der extra dafür mit Matratzen, Moskitonetzen und Decken ausgerüsteten Plattform ein. Wir warten bis 20 Uhr, jedoch lassen sich keine Tapire blicken. Renzo meint, das sei wegen uns, wir seien zu laut. Ella ist immer wieder raus um zu rauchen und einige haben ständig ihre Rucksäcke auf und zu gemacht.

 

Freitag 7.10.05 trüb und kühl

Nochmals Fahrt um 05:30 Uhr zum Blanquillo Lick (oder Macaw Lick). Der Aussichtspunkt befindet sich auf einem Schiff. Dieses liegt jedoch zur Zeit im Trockenen, weshalb die Wand, an der die Papageien den für sie lebensnotwendigen Lehm zu sich nehmen, sehr weit weg ist. Trotzdem ein Naturschauspiel der besonderen Art.

Am Nachmittag marschieren wir nochmals zum Tapir-Lick und bleiben bis nach 21 Uhr. Jedoch kommen wiederum keine Tapire. Renzo findet auch heute, wir seien zu laut. Jedoch heute waren wirklich alle ruhig und Ella ist kein einziges Mal raus zum Rauchen.

 

Mamas Koffer ist noch nicht eingetroffen. Da wir am Mittwoch unsere Jeans gewaschen haben und es seit Mittwoch regnet, trocknen diese natürlich nicht. So trägt Mama meine Trekkinghose und ich seit 2 Tagen meine Regenhose. Wir haben, auf Empfehlung der Reiseleitung, nur ganz wenig Gepäck mitgenommen. Auf meine Rückfrage nach dem Koffer sagt man mir, der komme morgen bestimmt.

Obwohl bis Freitag einige weitere Reisegruppen angekommen sind, bleibt der Koffer verschwunden. Also frage ich erneut danach, immer noch sehr ruhig und geduldig (etwas anderes bringt ja eh nichts). Und siehe da, am Samstag erhalten wir ihn. Gut so, denn am Sonntag geht die Reise weiter.

 

Sonntag 9.10.05 schön

Frühe Abfahrt mit dem Boot Richtung Laberinto, wo wir 11 Stunden später, nicht 8 wie angekündigt, ankommen. Gemäss Renzo dauerte die Fahrt wegen unserem (Mama und ich fühlen uns nicht angesprochen) schweren Gepäck so lange. Unterwegs haben wir dann noch einen Motorschaden. Die Mannschaft hat dies wohl vorausgesehen, hat sie doch einen Ersatzmotor dabei. Zudem müssen wir öfters anhalten weil einige Damen Pipi machen müssen. Sie schimpfen mit Mama und mir: "Ihr könntet auch Mal zum Halten auffordern." Aber wenn wir nicht müssen....  🤨

 

Weiter geht es von Laberinto mit dem eigenen Bus Richtung Puerto Maldonado, wo wir um 18:40 Uhr im Hotel Cabana Quinta ankommen.

 

 

Montag 10.10.05 schön

Auf dem Weg via Cusco nach Urubamba ins wunderschöne Hotel Libertado auf 2.800 müM. Hier bleiben wir 3 Nächte.

 

 

Dienstag 11.10.05

04:00 Uhr wir starten, mit leerem Magen, zur Abra Malaga auf 4.200 m. Auf der anderen Seite des Passes geht es wieder hinunter. Unerwegs bereitet unsere Mannschaft ein absolut herrliches Frühstück zu. Danach geht es weiter. Mama steht Todesängste aus wegen der Strasse: Steil, abfallend, unbefestigt, unbewachsen. Das merke jedoch nur ich. Sie streikt. Nach Rücksprache mit Renzo steigen wir zwei aus und gehen zu Fuss in das kurz zuvor durchquerte "Dorf" (2-3 Häuser) zurück. Unterwegs gibt es viele Pflanzen, Käfer und Schmetterlinge, aber wenig Vögel, zu bestaunen. Als es zu regnen beginnt, mache ich den Vorschlag, ins "Restaurant!?", das wir beim Vorbeifahren gesehen haben, einzukehren. Mama möchte nicht. Ich kann sie jedoch davon überzeugen, dass man bestimmt einen Tee bekommt und dazu müssen sie auch hier das Wasser kochen. So setzen wir uns in die dunkle Höhle und warten. Ich weiss nicht, wo die Frau den Teebeutel holt, aber nach kurzer Zeit ist sie wieder da. Wir haben uns in der Zwischenzeit mit dem Kind unterhalten.

 

 

Auf dem Rückweg ins Hotel Libertador in Urubamba regnet es noch immer und wir haben wieder mal eine Panne (Platten).

 

 

 

Jeder will zurück zur Natur, aber keiner zu Fuss.

 

Alois Glück

 

 

 

Mittwoch 12.10.05 schön

Mama und Ella bleiben heute im Hotel. Renzo, Hugo, Max, Einhard, Marcel und Marianne fahren nochmals auf den Abra Malaga. Dedda (Käthe), Günter und ich fahren mit einem Taxi ins nahe Ollantaytambo wegen der Inka-Ruinen. Zum Glück, denn am nächsten Morgen erfahren wir, dass wir wegen eines Steinschlages auf die Geleise nicht nach Machu Picchu können.

 

 

Wie erwähnt, können wir heute, Donnerstag 13.10., nicht nach Machu Picchu. Wir erfahren es beim Frühstück. Schade. Mein Traum platzt. Ich hatte mir erhofft, mit dieser Gruppe die Möglichkeit zu haben, vor und nach dem grossen Touristenstrom dort hinauf, die Ruinenstätte ganz bzw. fast ganz für mich alleine zu haben und ev. die magische Aura, die dieser Ort bestimmt ausstrahlt, auf mich wirken zu lassen. Nun, höhere Macht. Wie ich später auf der Reise erfahre, ist der Run nach Machu Picchu so gross, dass man überlegt, eine Tageslimite an Touristen, die man hinauf lässt, einzuführen. Im Internet finde ich heute, 25.3.24, folgenden Bericht dazu:

 

 

Peru schränkt den Zugang zu drei wichtigen Sehenswürdigkeiten in der historischen Inkastadt Machu Picchu ein.

Dies sei nötig, um die weltberühmte Stätte zu bewahren, so die peruanischen Behörden. Fast 6000 Personen besuchen Machu Picchu täglich.

Diese Touristenströme zerstörten die jahrhundertealten Steinoberflächen, so das Kultusministerium. Deshalb werde der Zutritt zum Sonnentempel, dem Tempel des Kondors und dem Intihuatana-Stein des Unesco-Welterbes zunächst für einen Zeitraum von zwei Wochen streng kontrolliert.

Konkret bleiben Touristen vom 15. bis zum 28. Mai nun lediglich drei Stunden, um die drei begehrten Bereiche zu besuchen. Die Behörden wollen in der zweiwöchigen Testphase die Auswirkungen der neuen Massnahmen evaluieren, bevor ab dem 1. Juni dann dauerhaft neue Regeln gelten sollen.

Das vom Inka-Herrscher Pachacútec erbaute Machu Picchu war im Juli 1911 vom US-Archäologen Hiram Bingham für die Wissenschaft entdeckt worden. Heute gehören die Ruinen zu den bekanntesten archäologischen Stätten der Welt. Im Jahr 1983 wurde die auf einem Bergrücken in 2500 Meter Höhe gelegene Inkastadt in das Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen.

 

Das Alternativprogramm, das sich Renzo und Werner ausdenken, ist die Cock of the Rock Lodge im Manu NP. Hätte ich gewusst, was auf uns zukommt in Sachen Strassen und Reisedauer, wäre ich mit Mama in Cusco geblieben.

So verlassen wir am Nachmittag dieses 13.10., aufgeteilt in 3 Busse, Urubamba. Unterwegs müssen wir auf die anderen warten da einer der Busse einen Achsbruch erleidet. Deshalb werden die Fahrgäste auf die zwei anderen Busse verteilt. Ella steigt zu uns - Freude herrscht;  nicht wirklich. Ein Gewitter zieht auf, es beginnt zu regnen und ist stockdunkel. Als wir um 22 Uhr endlich in der Lodge ankommen, werden wir, wie überall, noch mit einem herrlichen Nachtessen verwöhnt. Hier sind wir bis am 15.10.

5 Uhr Tagwache um den Felsenhahn (Cock of the Rock) zu beobachten. Da wir jedoch meinen ,es regnet noch immer, stehen Mama und ich (und auch Werner, wie wir später erfahren), nicht auf da die Tour bei Regen nicht stattfindet. Es ist jedoch der Bach, den wir hören. Aber am Samstag, 15.10. sind wir dann dabei und sehen diesen Vogel tatsächlich.

 

 

 

Ich habe es im Fotobuch nicht eingetragen, aber ich glaube, wir fahren am 15.10. nach Cusco, denn am 16.10. fliegen wir von hier nach Lima.

 

Adios Cusco

Am Sonntag, 16.10.25 fliegen wir um 14:55 nach Lima. Von da Fahrt nach Santa Eulalia ins Hotel Garden Inn, wo wir 2 Mal übernachten. 

Bevor wir jedoch mit dem Bus zum Flughafen fahren, stellt sich Renzo vorne hin und "scheisst" uns tüchtig zusammen. D.h. Mama und ich fühlen uns überhaupt nicht angesprochen da wir zwei absolut pflegeleichte Personen sind die auch nie reklamieren. Er eröffnet seine Rede: "Liebe Reiseteilnehmer, ich weiss, dass ihr für diese Reise viel bezahlt habt. Einen Betrag der für die Menschen hier absolut unerschwinglich ist. Und trotzdem seid ihr dauernd am Motzen. Weil das Zimmer zu klein ist, weil es nur ein Badetuch hat, weil das Essen nicht schmeckt (s. Eintrag unter 3.10. im Urwald) usw. Ich finde das sehr schlecht. Und ihr, Ella und Marcel, ihr könnt in Lima einen Flieger nach Zürich nehmen. Ich habe nachgeschaut. Ihr habt gleich einen Anschlussflug." Starke Worte. Denn auch wir zwei fanden die dauernde Nörglerei sehr störend und unpassend. Auch dass Marianne unterwegs immer Mal wieder irgendwelche Pflanzen ausgegraben und eingepackt hat.... Ist verboten. Nun, Ella und Marcel halten bis zur Abfahrt des Busses Kriegsrat und eröffnen uns dann, dass sie dabei bleiben. Mir flüstert sie später auf einer wiederum sehr langen Busfahrt zu, dass sie gar nichts mehr sage, auch nicht wenn sie etwas sieht.

Am Montag, 17.10.25, bei schönem Wetter, wieder ohne Frühstück, in aller Herrgottsfrühe, Fahrt mit dem Manu-Expeditionsbus ins obere Santa Eulalia Tal. Mama bleibt im Hotel, zum Glück. Ein Mal ist die Strasse so schmal, dass ich den Rand nicht sehe.

 

 

Dienstag 18.10.25 schön

Es geht nach Marcopomacocha (= Quechua und beudetet hoher Puma-See), bis auf 4.850 m, wo wir durch eine Prozession kurzzeitig aufgehalten werden. Mama muss mal, was bei ihr so gut wie nie vorkommt unterwegs. Sie kraxelt noch etwas weiter hinauf. Die Höhe macht uns nicht zu schaffen.

 

 

Allein auf weiter Flur steht das Lamm. Leider können wir es nicht mitnehmen. Unser Fahrer hat das Lamm bereits unterm Arm um es im nächsten Dorf abzugeben, aber Renzo ist dagegen weil er wütend ist weil wir die Prozession fotografiert und gefilmt haben. Wir hatten jedoch vorher um Erlaubnis gefragt und auch einige Nuevo Soles bezahlt. So überlassen wir das Lamm seinem Schicksal.

 

Vom 18. auf den 19.10.25 übernachten wir in der Bergbaustadt La Oroya im Hostal San José. Da Bettdecken und Kissen wirklich steinhart sind, die Zimmer sehr kalt und einige sich darüber beklagen, sie hätten die ganze Nacht das Gefühl gehabt, der Zug fahre direkt durch ihr Zimmer, übernachten wir vom 19. auf den 20.10. im Hotel Il Presidente in Huancayo.

 

 

Donnerstag 20.10.05 schön

Alle gratulieren mir schon beim Frühstück zum Geburtstag. Gestern hatte Renzo Geburtstag.

Um 6 Uhr Abfahrt Richtung Paracas am Pazifik. Plötzlich heisst es: "Alles aussteigen !" Unser Fahrer manövriert den Bus millimetergenau über eine Brücke, die am Zusammenbrechen ist. "Bravo!" Alles wieder einsteigen und weiter geht die Fahrt ... Aber kaum eine halbe Stunde später heisst es erneut: "Alles aussteigen!" Dieses Mal verhindert eine Schlammlawine die Weiterfahrt. Ich sage zu Werner: "Du wolltest unbedingt hier durch wegen der Sturzbachente. Nun kannst du auch beim Schaufeln helfen." Aber weil es im nahen Dorf nur 2 oder 3 Schaufeln hat, darf er zuschauen. Auch unsere Fahrer und Köche helfen beim Schaufeln. Nach etwa einer Stunde geht es weiter. Die Fahrt zieht sich endlos dahin, wir halten kaum wenn jemand etwas sieht. Erst als Werner oder Renzo die erhoffte Sturzbachente sichten, halten wir an. Sogar Hugo ist sauer, hatte er doch eine Embolie und müsste sich eine Spritze geben, wenn er so lange sitzt. Aber niemand hat ihm etwas gesagt. Renzo behauptet, Werner habe diese Strecke unbedingt fahren wollen. Werner äusserst sich nicht dazu und schreibt später im Reisebericht, Renzo habe diese Route ausgewählt....

22:00 Uhr: Nach 16 Stunden Fahrt (prognostiziert waren 3-5 Stunden) erreichen wir endlich die Hosteria Paracas.  Eigentlich wären wir nach Pisco. Aber unterwegs bekam Renzo einen Anruf mit dem Hinweis, dass wir nicht nach Pisco sollen weil als Polizisten verkleidete Gauner Kontrollen machen und einem ausrauben könnten.

Auch hier erhalten wir noch ein vorzügliches Nachtessen.

 

 

Freitag 21.10.05 schön

Im Laufe des Morgens besteigen wir in El Chaco ein kleines Boot für einen 5-stündigen Ausflug zu den Inseln San Gallan und Ballestas. Im Felsenhang sehen wir Geoglyphen von Nazca. Bis heute kann nicht eindeutig belegt werden, welchen Nutzen die geometrisch angeordneten Linien und Tierfiguren haben. 

 

 

Samstag 22.10.05 schön

Um 7 Uhr Frühstück. Danach fahren wir in die Salzwüste. Ein letztes, von unserer Crew zubereitetes, fantastisches Mittagessen am Strand von Cerro Azul. Dann ab zum Flughafen, wo wir uns von unseren Fahrern, Köchen und Renzo verabschieden. Pünktlicher Abflug heimwärts um 20:25 Uhr. Am Sonntag gegen Abend sind wir in Zürich.

 

 

 

Mein Fazit: Nie wieder eine Gruppenreise. Mama, die schon 20-30 ornithologische Reisen mitgemacht hat, sagt allerdings, dass sie noch nie in so einer Gruppe war.

 

 

Ich habe diese drei Wochen mit meiner Mutter sehr genossen. Gerne hätte ich sie nochmals begleitet. Aber wegen Papa wollte sie nicht nochmals verreisen.

 

 


 

 

 

Reisen heisst, viel zu sehen.

Reisen heisst,

mit offenen Augen durch die Welt zu gehen,

die kleinen Wunder zu entdecken,

fremde Kulturen kennen zu lernen

und Geschichten zu schreiben.